Kapitel U1

Ermöglicht durch das Quartier U1 (Gefördert als Akteursprojekt im Quartier U1) – Maffeiplatz

Ziel des Projekts „Kapitel U1- Gegenwartsliteratur entlang der U1“ war es, Literatur in den öffentlichen Raum zu bringen – genauer gesagt, in die Räume der Linie U1. Junge Autor*innen sollten in fahrenden U-Bahn-Zügen aus ihren neuesten Werken lesen. Die Lesungen wollten so niederschwellig Menschen bei ihrer Fahrt auf der Linie U1 ein Stück mitnehmen – von der Haltestelle Frankenstraße bis zur Endhaltestelle Hardhöhe und zurück. Nachdem erst aus finanziellen, dann aus pandemischen und schließlich aus organisatorischen Gründen des Verkehrsverbundes leider nicht möglich war, die Lesungen in fahrenden U-Bahnen umzusetzen, zog das Projekt „Kapitel U1“ um, in das „Amt für Ideen“ nahe der U-Bahnhaltestelle Maffeiplatz. Die Container-Wechselbrücke des „Amtes für Ideen“ diente so an vier Donnerstagabenden im Sommer 2021 als Bühne für Autor*innen. Die Wiese vor dem Container wurde, ausgestattet mit Sitzkissen und Matten, zum Raum für Besucher*innen. Neugierige aus der Nachbarschaft, gezielte Besucher*innen und Passant*innen waren so eingeladen, sich auf der Wiese mit Getränken spontan oder geplantermaßen nieder zu lassen und für für jeweils ca. eineinhalb Stunden den Lesungen mit Moderation zuzuhören. Gleichzeitig wurden alle Lesungen digital übertragen, so dass auch Menschen, die keine Gelegenheit hatten vor Ort dabei zu sein, teilzuhaben.

Das wohl größte Hemmnis im Projektverlauf stellte die sehr durchwachsene Kooperation mit der VAG dar. Der erst spontan von der VAG ohne Begründung höher angesetzt Preis für die U-Bahnmiete und die schließlich sehr spontane Absage der bereits geplanten Lesung in der U-Bahn waren frustrierend. Auch die Kommunikation mit den Städtischen Behörden (Ordnungsamt und Liegenschaftsamt) lief teilweise schleppend. Ein weiteres großes Hemmnis stellte natürlich die pandemische Lage dar, die nicht ermöglichte, ohne jegliche Miete der U-Bahnen, Veranstaltungen spontan(er), bzw. mit geringeren Einschränkungen, in U-Bahnen oder U-Bahn-Höfen durchzuführen.

Gelernt haben die Projektbeteiligten vor allem die digitale Übertragung von Veranstaltungen aus dem öffentlichen Raum und wie man immer wieder alternative Orte zur Durchführung finden kann. Ein Plan B und große Flexibilität sowie Spontaneität sind für sie das wichtigste, was man bei der Planung von Veranstaltungen an unkonventionellen Orten braucht. Und schließlich auch ein wenig Mut, nicht für jede Kleinigkeit eine Genehmigung zu haben. Durch Anmeldungen bei Ordnungsamt und Liegenschaftsamt entstand bei den Veranstalter*innen erst teilweise das Gefühl, die Veranstaltungen extrem verregeln zu müssen, natürlich auch aufgrund der aktuell immer notwendigen Hygienemaßnahmen. Die schriftliche Kommunikation war dabei wesentlich komplizierter als Telefonate. Im direkten Kontakt reagierten Einzelpersonen beim Liegenschaftsamt selbst nivellierend auf Anforderungen und sagten Dinge wie „Naja, wenn sie sich dort ohnehin nur auf Kissen setzen…“. Diesen direkten Kontakt hätte sich das Team auch in der Reaktion auf abgeschickte Kontaktformulare zu Genehmigungen gewünscht. Erlebnisse wie diese machten dem Team wieder Mut, dass Veranstaltungen im öffentlichen Raum nicht immer ein immenser Kraftakt sein müssen, sondern teilweise auch durch Absprachen relativ unkompliziert umgesetzt werden können.

Spaß gemacht hat den Beteiligten vor allem die gemeinsame Zusammenarbeit und die Kooperation mit dem Urban Lab, aber auch Reaktionen von Menschen, die stehen bleiben und sagen „was is’n des?“. Radler, die auf dem Heimweg von der Arbeit einfach eine halbe Stunde zuhören oder Jugendliche, die sich mit einem Karton Eis von Norma gegenüber dazu setzen. Und auch der Moment, in dem man selbst bei den Lesungen in der Wiese sitzt und Menschen mit geschlossenen Augen zuhören sieht.

Für die Zukunft kann man sich gut vorstellen, Lesungen im öffentlichen Raum zu veranstalten und „absurde“ oder kaum zugängliche Orte für Kultur zu öffnen.

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